Deutschland und China als Akteure im globalen Innovationssystem

Durch Globalisierung, die exponentielle Zunahme an Wissen und eine stärkere Interdisziplinarität der Wissensgenerierung haben sich Innovationsprozesse in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Innovationsressourcen weltweit können miteinander verbunden werden, ohne große Transaktionskosten zu verursachen. Transnationale Innovationen gewinnen so zunehmend an Bedeutung. Während in der Vergangenheit einzelne Innovationszentren stark dominierten, gewinnt mittlerweile ein breiteres Spektrum an Zentren mit ausdifferenzierten Spezialisierungen an Bedeutung (Markus Taube, Policy Briefs der Expertengruppe 02/2018).

China und Deutschland sind gewichtige Akteure im globalen Innovationssystem. Beide Länder agieren auf der Basis einer umfassenden Strategie zur technologischen und wissenschaftlichen Entwicklung. In Deutschland ist dies die Hightech-Strategie 2025. In China sind das u.a. der Lang- und Mittelfristige Plan für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (2006-2020) sowie Spezialstrategien wie „Made in China 2025“. Deutschland gehört zu den innovationsstärksten Ländern der Welt. Erst 2018 wurde es vom Weltwirtschaftsforum im „Globalen Wettbewerbsbericht“ zum einem der innovativsten Länder der Welt gekürt. China belegt im gleichen Ranking des Weltwirtschaftsforums Platz 24 im Hinblick auf die Innovationsfähigkeit. In der Vergangenheit wurde globales Wissen von China eher absorbiert. Mittlerweile weist das Innovationssystem Chinas im Vergleich zu den anderen Industrienationen wie USA, Schweiz und Deutschland immer noch eine geringere Leistungsfähigkeit auf. In einzelnen Branchen dagegen (zum Beispiel Internet- und Telekommunikation) konkurrieren chinesische Firmen weltweit auf Augenhöhe. Die drei großen Internetkonzerne BAT (Baidu, Alibaba und Tencent) sowie JD.com investieren viel in Forschung und Entwicklung, profitieren aber auch von den technischen Fortschritten und Experten aus anderen Ländern (Samm Sacks: Disruptors, Innovators and Thieves – Assessing Innovation in China’s Digital Economy”, CSIS, Januar 2018, S. 2). Trends beispielsweise aus der chinesischen digitalen Wirtschaft  nehmen verstärkt auch Einfluss auf amerikanische und andere global agierende Unternehmen. Selbst wenn die Massenger-App WeChat außerhalb von China keine großen Marktanteile erringen wird, nimmt diese „super app“ und das dynamische Integrationsmodell Einfluss auf neue Features und Anwendungen, die außerhalb von China entwickelt werden.

Allerdings  beinhaltet Chinas Cybersicherheitspolitik das Risiko zu dem Trend eines „zerstückelten“ Internets beizutragen. Unternehmen, die in China agieren, unterliegen Restriktionen im Hinblick auf die Möglichkeit kritische Daten grenzüberschreitend zu bewegen (Thomas Pattloch, Policy Briefs der Expertengruppe 12/2017)